Ludwig XIV.

Der spätere „Roi Soleil“ (Sonnenkönig) kam am 5. September 1638 als erster Sohn des französischen Königs Ludwig III. und dessen Frau Anna von Österreich in St-Germain-en-Laye zur Welt. Noch heute ziert sein Geburtsdatum das Wappen der Stadt.
Sein Vater verstarb bereits knapp fünf Jahre nach der Geburt des Thronfolgers, wodurch letzterer am 14. Mai 1643 als König inthronisiert wurde. Die Regentschaft Frankreichs lag zunächst in den Händen der Mutter Anna von Österreich und beim „Ersten Minister“ Kardinal Mazarin. Mazarin übernahm bis zu seinem Tod 1661 die staatsmännische Erziehung Ludwig XIV. in der Tradition Heinrich IV. und bereitete diesen auf seine Rolle als absoluter Herrscher vor. Während der Fronde 1648 bis 1654, dem Versuch hochadliger Kreise, die absolute Monarchie zu verhindern, floh der König aus Paris. Doch gelang es unter Mazarins Führung, die absolute Herrschaft für Ludwig XIV. zu sichern. Im Juni 1660 heiratete der König die spanische Infantin Maria Theresia. Nach dem Tod des „Ersten Ministers“ 1661 begann die Alleinherrschaft von Ludwig XIV. Der königlichen Familie und der Hocharistokratie verwehrte er die Mitsprache bei Regierungsentscheidungen und eine autonome Macht in den Provinzen. Im Gegenzug band er sie an den Hof in Versailles. In der Politik ließ sich Ludwig durch den Obersten Staatsrat, einen Finanz-, einen Depeschen- und einen Justizrat, unterstützen. Dorthin berief er befähigte Adlige wie auch Bürgerliche. Seine wichtigsten Berater waren Colbert, Louvois und Lionne. Gestützt auf ein System von Intendanten reduzierte er den Einfluss ständischer und lokaler Institutionen.
Seine außenpolitische Macht sicherte sich Ludwig XIV. mittels des Ausbaus der Armee sowie der Marine. Der König führte als erster Monarch ein stehendes Heer ein. Seine aggressive Expansionspolitik erbrachte Frankreich in mehreren Kriegen ab 1667 erhebliche territoriale Gewinne: Teile der spanischen Niederlande, die Franche-Comté, Elsaß und Lothringen sowie Straßburg. Dabei musste der Monarch ab 1688 allerdings auch empfindliche Niederlagen hinnehmen. Die im spanischen Erbfolgekrieg 1701 bis 1714 erlittenen schweren Niederlagen führten schließlich zum Verlust der europäischen Hegemonie und von Kolonialbesitz. Den Staatsbankrott konnte der Monarch durch eine umfangreiche Finanzreform 1713 verhindern. Trotz allem hinterließ er als Lebenswerk ein immer noch mächtiges und vor allem strategisch abgesichertes Frankreich. Der Aufwand für seine Kriege, seine Neuorganisation des Staatsapparats und des Hofes erforderten neue ergiebige Geldquellen, die der König durch neue Steuern und ein konsequenteres Eintreiben der bestehenden Abgaben einzunehmen erhoffte. Allerdings führte dies zwischen 1664 und 1675 zu mehreren Bauernaufständen, die Ludwig XIV. mit militärischer Gewalt niederschlagen ließ. 1685 erließ er das Edikt von Fontainebleau und revidierte damit das Toleranzgesetz gegenüber den Hugenotten (Edikt von Nantes unter Heinrich IV.). Die einsetzende forcierte Verfolgung der Hugenotten führte letztlich jedoch zu keiner wirtschaftlichen Konsolidierung des Reiches. Die Verfolgten wanderten in großer Zahl, zum Schaden der französischen Wirtschaft, aus. Die Antwort des Monarchen bestand während seiner letzten Lebensjahre in weiter zunehmender Intoleranz, besonders an der zusätzlichen Verfolgung der Jansenisten ablesbar. Neben politischer und militärischer Stärke Frankreichs legte Ludwig XIV. ebenfalls sehr viel Wert auf die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung seines Staates. Er gründete mehrere Akademien (Akademie der Inschriften 1663, der Wissenschaften 1666, der Musik 1669, der Architektur 1671) und ließ bedeutende Bauwerke errichten bzw. umgestalten. Zu den bedeutendsten gehören Schloss und Park Versailles, Marly und Trianon sowie die Kolonaden des Louvre. Der französische Stil bestimmte seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts für viele Jahre das höfische Leben in Europa. Zahlreiche der besten Künstler, Philosophen und Wissenschaftler Europas zog es an die Residenz Ludwig XIV. Vor allem der Um- und Ausbau von Versailles in den Jahren 1661 und 1710 bildete die Grundlage der zur Schaustellung seiner Macht. Bis dahin nie gesehene barocke Hoffeste, Abendgesellschaften und Bälle sowie die neue Etikette zwang die Höflinge und aristokratischen Damen ihren Lebensmittelpunkt an den Hof zu verlegen. 1682 wurde der bis zu 20 000 Menschen umfassende königliche Hofstaat von Paris in die wohl prächtigste Hofanlage der damaligen Welt verlegt.Der König besaß, trotz gelegentlicher Ausbrüche von Jähzorn und einer insgesamt egozentrischen Art (Personenkult), ein sehr einnehmendes Wesen und Charme. Ihn kennzeichnete eine ausgeprägte Menschenkenntnis, ein scharfer Verstand, Arbeitseifer, Willenskraft, Selbstbeherrschung und hohes Selbstwertgefühl sowie ein stetiges Streben nach Bildung und Kunstfertigkeit. Er galt als vorbildlicher Kavalier.Besonders den Frauen gegenüber verhielt er sich sehr zuvorkommend. Selbst die weibliche Dienerschaft behandelte er ihrer Stellung entsprechend höflich. Mit seiner Frau zeugte der Monarch sechs Kinder. Daneben hatte er von seinen Mätressen Marie-Angélique de Fontanges, Louise Francoise de La Vallière und der Marquise de Montespan elf uneheliche Kinder, von denen einige früh verstarben. Alle legitimierte er ausnahmslos, erhob sie im entsprechenden Alter in einen Prinzenrang und verheiratete sie mit Prinzen und Prinzessinnen. Seinen Kindern und Enkeln schenkte er große Aufmerksamkeit und war ihnen ein fürsorglicher und zugleich strenger Vater und Großvater. Nach dem Tod der Königin ging Ludwig eine heimliche Ehe mit Madame de Maintenon, der vormaligen Erzieherin seiner Kinder, ein, die bis an sein Lebensende Bestand hatte.
Die Herrschaft Ludwigs bedeutete den Höhepunkt des französischen Absolutismus, leitete jedoch zugleich dessen Systemkrise ein. Mit 73 Jahren regierte Ludwig XIV. länger als jeder andere Monarch. Kurz vor seinem 77. Geburtstag, am 1. September 1715, verstarb der König in Versailles. Ihm folgte sein fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. auf den Thron. (mb)

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