Musik der 40er Jahre

Sowohl national als auch international war die Musik der 40er Jahre vor allem geprägt durch den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Beginnend in den 30er Jahren bis weit in die 40er dominierten international noch viele Jazz und Swing Big Bands die Tanzsäle und Musikclubs. Swing, als eine neue Stilrichtung des Jazz, entwickelte sich in den 30er und 40er Jahren vorwiegend aus den Einflüssen des Dixieland und Chicago Jazz weiter. Der schnelle lebendige Rhythmus, der groovende Takt und die schmissigen Bläsersätze trieben die Tanzwütigen auf das Parkett. Herausragend waren Orchester wie Glenn Miller, Benny Goodman, Jimmy Dorsey und die Dorsey Brothers, Artie Shaw und Count Basie mit Millionen Fans in aller Welt. Glenn Miller mit seinem Orchester kann durchaus als einer der Stars in den 40er Jahren genannt werden. Seine Instrumentierung mit breiten Bläsersätzen und Saxophonen innerhalb des Orchesters war ungewöhnlich für diese Zeit und fand alleine schon dadurch Beachtung. Große Radiostationen und die Musikclubs sorgten letztendlich für den Durchbruch in den Charts und etablierten auch Swing als feste Größe in den 40er Jahren. In the Mood, Moonlight Serenade, Tuxedo Junction und Chattanooga Choo Choo sind die bekanntesten Hits aus dem reichhaltigen Schaffen von Glenn Miller und seinem Orchester. Bis heute tourt das Glenn Miller Orchester um die Welt. Leider verunglückte 1942 Glenn Millers Flugzeug über dem Ärmelkanal und blieb verschollen. Seine Musik lebt bis heute weiter und neue Stars ließen nicht lange auf sich warten. Während es den Orchestern durch die schlechte Wirtschaftslage immer schwieriger wurde, ihre Musiker zu bezahlen, konnten Solo Künstler wie Bing Crosby, Nat “King” Cole, Perry Como und Frank Sinatra erste Akzente setzen. White Christmas von Bing Crosby wurde sogar ein echter Evergreen. Mit 50 Millionen Verkäufen ist es bis heute der meistverkaufte Song weltweit. Auch Frauen wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday und die Andrew Sisters konnten in den 40er Jahren immer wieder Chart Hits platzieren. Der Song Sentimental Journey, 1945 von der Schauspielerin und Sängerin Doris Day zusammen mit Les Brown und seinem Orchester zu Ehren der Kriegsheimkehrer gesungen, blieb 23 Wochen mit hohen Platzierungen in den Billbord Charts. Woody Guthrie, ein amerikanischer Singer/Songwriter und Folkmusiker, wurde bereits 1941 mit dem Song This Land is your Land sehr bekannt. Mehr als 20 Jahre später wurde er mit diesem Song zu einer der musikalischen Ikonen der aufkommenden Hippiebewegung.
In Europa war es in den 40er Jahren vor allem Edith Piaf, die sich mit einfühlsamen Chansons in die Herzen der Menschen sang. Der Chanson, am ehesten passend als französische Variante des Schlagers und der Liedermacher, entstand bereits vor vielen Jahrhunderten mit Troubadouren und ist fest in der traditionellen Volksmusik Frankreichs verankert. In Deutschland muss die musikalische Entwicklung der 40er Jahre zweigeteilt betrachtet werden. Unter den Nationalsozialisten im Deutschen Reich wurde alles zensiert und nur wenige Stars konnten noch frei arbeiten. Hans Albers mit Liedern wie Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, La Paloma und Beim ersten Mal tut’s noch weh. Zarah Leander mit dem Lied Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn. Aber auch Rudi Schuricke und Johannes Heesters, Evelyn Künneke und Lale Andersen waren einige der gefragtesten und beliebtesten deutschen Stars in den 40er Jahren. Lale Anderson war es bereits 1939 mit dem Lied Lili Marleen gelungen, sogar weltweit einen Erfolg zu feiern. In den Nachkriegsjahren fand vermehrt amerikanische Musik den Weg in die deutschen Charts. Der Hunger der Menschen nach neuen Ideen, Ausdrucksformen und andersartiger Musik beeinflusste bis in die folgenden Jahrzehnte die deutsche Musiklandschaft nachhaltig. Endlich konnte die deutsche Bevölkerung Jazz, Soul und Swing ohne Zensur im Radio hören. Sehr gefragt waren in den ersten Jahren der Nachkriegszeit aber auch lustige Schlager wie Theo Lingens Der Theodor im Fußballtor und Balladen von Fernweh oder Liebe. Eine neue Zeit brach an. Die Menschen in Deutschland schauten wieder nach vorne und arbeiteten an ihrem kommenden Wirtschaftswunder mit Musik ohne Grenzen.

Musikgeschichte der 40er Jahre

Das Jahr 1940 begann mit dem Swingstil Frank Sinatras, der seine Big Band Karriere just mit dem Beginn des neuen Jahrzehntes antrat. Das Billboard-Magazin veröffentlichte erstmals seine gleichnamigen Charts. Dadurch konnten nun auch Künstler nicht nur die eigenen Verkaufszahlen als Bemessung für ihre Erfolge zu Gunde legen, sondern sich anhand des Listenplatzes mit anderen Musikern vergleichen. Eine zeitgenössische Interpretin war auch die bekannte Doris Day.
Gershwin machte mit „Porgy & Bess“ Furore und Glenn Miller bescherte uns mit „In the Mood“ einen absoluten Nr.1 Hit, aber auch Tommy Dorsey und Cliff Edwards waren in den oberen Rängen der Chartliste vertreten.
Pearl Harbour und der Eintritt der Großmächte Amerika und Japan in den 2. Weltkrieg bestimmen das Jahr 1941. Zugleich lässt man den Grundstein für das Pentagon legen. Propaganda und rein deutsche
Musik beherrschen unsere Radiosender, während in Italien Ernesto Bonino von sich reden macht.
Glenn Miller bringt „Chattanooga Choo Choo“ heraus und erlangt damit seine erste goldene Schallplatte, auch wenn dieses Medium zu diesem Zeitpunkt eher den höhergestellten Klassen zugänglich ist.
Die erste E-Gitarre von Les Paul erscheint und verändert dauerhaft die musikalische Welt. In Deutschland gilt die Swingmusik als entartet und so werden im April 300 Anhänger derselben brutal misshandelt und inhaftiert. Klassikfreunde erfreuen sich an Bela Bartoks sechstem Streichquartett, das in New York Premiere feiert.
1942 singt Bing Crosby „White Christmas“ und erweicht so die Herzen der Amerikaner, aber ist auch schnell auf internationalem Niveau erfolgreich. Cole Porter beschert den Londoner Musicalfans zwei neue Stücke mit „Let’s face it“ und „Du Barry was a Lady“. Die große Zeit des Musikfilms beginnt und kopiert so den Erfolg der Broadwaymusicals für die Durchschnittsbürger.
Duke Ellington beweist bei Auftritten im Jahr 1943 seine pazifistische Gesinnung, indem er bei Konzerten für Organisationen gegen den Krieg sammelt. Perry Como und Miles Davis machen erstmals von sich reden.
1944 ist das Jahr von Marikka Rökk, Heinz Rühmann und Ilse Werner, Letztere fiel durch ihr Pfeiftalent auf, während die Rökk singend und tanzend durch die Kinofilme der Deutschen spazierte und Rühmann als kleiner Mann mit seltsam anrührendem Gesang „die Herzen der stolzesten Frau’n“ bricht.
Im Jahr 1945 erklingt das Duett „Sentimental Journey“ von Doris Day und Les Brown und auch Charley Parker und Miles Davis fusionieren zeitweise mit Erfolg.
1946 debütiert Igor Strawinsky mit den New Yorker Philhamonikern und dem Dirigat zu „Symphonie in drei Bewegungen“, während Sinatra mit „Let it snow“ einmal mehr sein nationales und internationales Publikum begeisterte.
Marlene Dietrich und die Comedian Harmonists brachten mit ihren Liedern die deutsche Musik voran, während die erste Welle des Rock ’n Roll vom andern Kontinent herüberschwappte und sich besser behaupten konnte als Swing und Jazz. Gute Laune verbreitete auch Willi Stanke mit seinem Orchester.
1948 war Nat King Cole mit seinem „Natural Boy“ in Europa einer der beliebtesten Interpreten.
Im Musikjahr 1949 beherrschte Bully Buhlan mit seinem „Koffer in Berlin“ und dem „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ die deutsche Hitliste und zollte so der Trennung von West – und Ostdeutschland den nötigen Tribut. Im Karneval erklingt Jupp Schmitz „Wer soll das bezahlen?“ und aus Amerika schallen Fats Dominos rockige Klänge zu uns hinüber, die bei einigen immer noch als „Negermusik“ verschrien sind.
So endet ein Musikjahrzehnt, in dem die Klassik für Otto-Normalverbraucher immer mehr an Bedeutung verliert und deutsche und amerikanische Schlager Vorreiter für eine völlig neue Art der Musik sind, die uns bis heute begleitet.