Musik der 30er Jahre

Ob nun in den 20er oder 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, irgendwann im Schatten der Weltwirtschaftskrise muss die Geburtsstunde der Popmusik gewesen sein. Will sagen: Durch die Verbreitung des Radios wurde Musik populärer denn je, und sowohl ihre Vielfalt als auch ihr stetiger Wandel wurde für viele hörbar, die früher kaum die Gelegenheit dazu hatten. Das Boulevardtheater oder sogenannte Music Halls, in denen zu Livemusik getanzt werden konnte, waren zuvor die wichtigsten Orte, an denen Musik genossen wurde. Tonaufnahmen wurden immer besser, und sie waren reproduzierbar. Damit wurden die jeweiligen Interpreten eines Liedes wichtiger denn je. Im krisengebeutelten Deutschland der Weimarer Zeit waren Schlager die erfolgreichste Musikgattung. Die zumeist fröhlichen Lieder mit weniger anspruchsvollen Texten orientierten sich damals an Operettenmelodien, es gab aber auch schon frühe Einflüsse des international sehr erfolgreichen Swing und Jazz. Die frühen 30er Jahre waren ruhmreich für die a-cappella-Gruppe Comedian Harmonists sowie für Tanzkapellen, beeinflusst von den amerikanischen Bigbands. Mit Beginn des Dritten Reichs im Jahre 1933 unterscheidet sich die Musikentwicklung in Deutschland stark von den zuvor so prägenden internationalen Einflüssen. Das deutsche Reich hatte durch und durch deutsch zu klingen und die "Gleichschaltung" fing bei den Medien an. Frivole Texte, wie sie in den 20er und frühen 30er Jahren üblich waren, wurden ebenso verboten wie andere kritische Worte. Hinzu kam, dass einige berühmte Künstler jüdischer Herkunft waren und verfolgt wurden. Andere, wie Marika Rökk und Heinz Rühmann, passten sich dem Zeitgeschmack an und trällerten belanglose bis "propagandistisch" angehauchte Mitsinglieder und Durchhalteparolen für das Volk. Während manche dieser Schlagerstars in der Vorkriegszeit durchaus internationale Erfolge feierten, so wurde ab 1933 all das verboten, was in Amerika und auch in vielen anderen Ländern die Musikgeschichte der nächsten Jahre prägte: Blues- und Jazzmusik galt als Musik der Schwarzen und war strengstens verboten. Um nun ein Bild davon zu bekommen, was sich parallel dazu entwickelte und nach dem Krieg wieder massiv auf die Musikstile Einfluss nahm (und natürlich schon vorher auf viele emigrierte Künstler aus Deutschland), werfen wir einen Blick auf die 30er Jahre auf der anderen Seite des "großen Teichs". Zunächst einmal fand sich hier eine weitaus größere Vielfalt an Stilen, allein schon dadurch, dass sowohl die Native Americans als auch die Einwanderer ihre eigenen musikalischen Wurzeln mit einbrachten. Blues und Gospel waren nach wie vor populär, doch insbesondere in den Großstädten wurde Jazz ungemein erfolgreich. Er galt aber auch bei der älteren Bevölkerung als anstößig. Trotz dieser Kontroversen setzte sich Jazz als erfolgreichste Musik jener Zeit durch. Dem Geschmack der breiten Masse kam man durch die gefälligeren Melodien der Bigbands und gegen Mitte der 30er Jahre der Swingmusik entgegen. Während Jazz selbst von klassischen Musikern hochgeschätzt wurde, galt Swing zunächst als niveaulose Tanzmusik, ähnlich wiederum dem Schlager. Gegen Mitte der 30er Jahre liebte man aber nichts mehr als die seichte, tanzbare Unterhaltung und Swingmusik wurde zum Mainstream. Gegen Ende der Dekade begann der Zweite Weltkrieg und damit gingen auch die Erfolge des Swings ein wenig zurück, da viele der Bigband-Mitglieder im Krieg kämpfen mussten. Wie man sieht, gestaltet sich der Rückblick auf die Musikgeschichte der 30er Jahre aufgrund der prekären politischen Lage schwierig. Es gab keine einheitliche Entwicklung, sondern verschiedenste Einflüsse. Gemeinsam war ihnen jedoch allen, dass hier das moderne Zeitalter der "Musik aus der Konserve" begann, die den Erfolg einzelner Interpreten überhaupt erst möglich machte.

 

Musikjahr 1930