Musikjahr 1968

1968 ging unter anderem als das Jahr in die Musikgeschichte ein, in dem Elvis Presley sein Comeback als Entertainer feierte. Der „King“ hatte 1960 seinen letzten TV-Auftritt gehabt und 1961 sein letztes Bühnenkonzert gegeben. Zwar war er weiterhin durch seine Studioalben, Singles und zahlreichen Filmauftritte massiv präsent geblieben, doch seine Zeit als Live-Entertainer war nach allgemeiner Ansicht vorbei. Am 3. Dezember überzeugte er die US-Fernsehgemeinde (42 % Einschaltquote) mit einem furiosen Auftritt im NBC-Special „ELVIS“. Der König war zurück.
Begann im Fernsehen für Elvis 1968 ein zweiter Abschnitt seiner Karriere, so war im selben Jahr für eine andere Pop-Göttlichkeit ein Fernsehauftritt der Anfang vom Ende. Am 4. September hatten die Beatles ihren letzen gemeinsamen TV-Auftritt. In einer britischen Musiksendung spielten die vier seit etlicher Zeit privat und musikalisch zunehmend eigene Wege gehenden „Fab Four“ ihren aktuellen Hit „Hey Jude“. Zwei Monate darauf erschien ihr einziges Doppelalbum. Die als „White Album“ bekannte LP „The Beatles“ versammelte Hits wie „Back In The USSR“, „Ob-La-Di-Obla-Da“ und „Blackbird“.
Die ewigen Rivalen der Beatles, die Rolling Stones, hatten wegen der drogenkonsum-bedingten Unzuverlässigkeit von Leadgittarist Brian Jones seit 1967 keinen Live-Auftritt mehr gehabt. Trotz erheblicher Querelen in der Band gelang den Rolling Stones 1968 mit „Jumpin´Jack Flash“ und „Street Fighting Man“ zwei Riesen-Rock-Hits, die die Hintergrundmusik für die rebellische Proteststimmung bei großen Teilen der Jugend lieferte.
Anders als Brian Jones, der 1969 durch seinen Drogentod den makabren „Klub 27“ 27-jährig verstorbener Rockstars begründete, schaffte der Country-Sänger der besonderen Art Johnny Cash 1968 trotz Suchtkrankheit einen Neuanfang und zwar im Gefängnis. Das in einem US-Gefängnis aufgenommene Live-Album „At Folsom Prison“ des tablettensüchtigen “Man in Black“ blieb bis 1970 in den LP-Charts und brachte es auf eine Verkaufszahl von 6.000.000 Stück.
Davon konnten deutsche Bands nur träumen. Immerhin war 1968 der Begriff „Krautrock“ als Hinweis auf eine in den Folgejahren auch international beachtete eigenständige BRD-Variante der Rockmusik entstanden. 1968 hatten sich mit „Amon Düül II“ und „Can“ zwei experimentierfreudige, hervorragend zu verkifften Land-WGs passende Psychedelic-Underground-Bands formiert, die bei vielen Musikkritikern für Kopfschütteln und bei vielen Fans mit kryptischen Songs wie „Agilok & blubbo“ (Can) für Headbanging sorgten.
Headbanging sollte auch zu den Heavy-Rock-Gruppen untrennbar gehören, die sich 1968 gründeten: Wie Led Zeppelin und Steppenwolf wurde 1968 auch mit Deep Purple eines der Fundamente des Heavy Rock geschaffen. Stücke wie das auf der ersten Purple-LP „Shades Of Deep Purple“ veröffentlichte „Hush“ und Steppenwolfs „Born To Be Wild“ zeigten den Weg zum Hardrock der 70er deutlich auf. Ausgesprochen rockig ging es auch bei Jimi Hendrix zu, der 1968 mit „Voodoo Child“ und der Cover-Vision des Bob-Dylan-Songs „All Along The Watchtower“ großen Erfolg hatte. Jim Morrisons Doors machten mit „Hello, I Live You“ und „Touch Me“ Furore, die Band Iron Butterfly hatte mit dem 17-Minuten-Stück „In-A-Gadda-Da-Vida“ ihren einzigen Hit (fünf Millionen Mal verkauft) und die 1967 gegründete Progessive-Rock-Band Jethro Tull um den zauselhaarigen Querflöten-Derwisch Ian Anderson überzeugte beim Jazz- und Blues-Festival im britischen Kempton Park erste Fans.
Bluesig-sanft kamen Fleetwood Mac mit „Need Your Love So Bad“ und „Albatross“ in die Charts. Angeblueste Top-Hits waren auch „Sittin´ On The Dock Of The Bay“ des Afroamerikaners Otis Redding und „With A Little Help From My Friends“ des Sheffield-Engländers Joe Cocker. Sanft waren auch Simon & Garfunkel mit „Mrs. Robinson“. Ebenfalls eher für die Ohren von harmoniegebürsteten Durchschnitts-Musikkonsumenten gedacht waren „It´s A Wonderful World“ von Louis Armstrong, „This Guy's in Love With You" von Herb Alpert und Dusty Springfields „Son Of Preacher Man“. Für harmlos-hedonistische Flower-Power-Mainstream-Partys empfahlen sich Mithopps- und Mitklatsch-Hits wie „Bend Me, Shape Me“ von American Breed, „Yummy Yummy Yummy“ von Ohio Express oder „Build Me, Buttercup“ von den Foundations.
1968 war auch das Jahr, in dem eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten Premiere hatte: Das Hippie-Märchen „Hair“.
In Deutschland wurde 1968 auf dem Musikmarkt neben den internationalen Hits auch reichlich Eigensprachliches angeboten und angenommen. Da lud Peter Alexander zum „Komm und bedien dich“ ein, Mama- und Omi-Herzilein Heintje verzauberte respektive entsetzte mit „Heidschi Bumbeidschi“, Dorthe fragte mit dänischem Akzent: „Sind Sie der Graf von Luxemburg?“ und Roy Blck säuselte „Bleib bei mir.“

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