Musikjahr 1967

1967 wurden mit „Nights In White Satin“ von den Moody Blues und „Whiter Shade Of Pale“ von Procul Harum zwei Engtanz-Katalysatoren geschaffen. Es waren Musikstücke, die zur Begründung von vielen, meist nur eine Knutsch-Party andauernden, romantischen Beziehungen wesentlich beigetragen haben. Diese Hits der beiden britischen Bands gehörten zum Lebensgefühl einer Generation, die zwischen knochenbrutaler von Vietnamkrieg, Kaltem Krieg und US-Rassenunruhen mitgeprägten politischen Realität und dem Hippie-Gefühl des legendären 1967er „Summer of Love“ hin und her taumelte. Peace, aggressive Lebensgier und depressive Existenzangst bestimmten viele Musikmacher und -konsumenten.
Der Musik-Mainstream des Jahres war eindeutig „Psychedelic Rock“. Die Bandbreite reichte dabei von den gefälligen Klängen der angeblich mit LSD experimentierenden Beatles über die sich tatsächlich mit Drogen in Stimmung bringende Grace-Slick-Band Jefferson Airplane zu den wirklich harten Jungs wie Jim Morrison („Doors“) und Jimi Hendrix, die bald nach 1967 dem „Forever Club“ der mit 27 Jahren gestorbenen Rockstars zugerechnet werden mussten. Aber auch unverfänglicher Flower-Power-Sound fand 1967 ein großes Publikum. So wurde Sandie Shaws an Harmlosigkeit nicht zu überbietender Hopps-Lied „Puppet On A String“ zu einem Welterfolg. 1965 war für eine frühe US-Sitcom eine Truppe von vier Sauberjungs („Lange Haare, aber gewaschen“) gesucht und gefunden worden: The Monkees. Einer der Bandmitglieder trug stets eine alberne Pudelmütze. Die TV-Band avancierte zur Hitmaschine im richtigen Show-Business. Nach „Last Train To Clarksville“ (1966) folgten 1967 der Nr.1-Hit „I´m A Believer“ und weitere gut platzierte Happy-Songs wie „The Girl I Knew Somewhere“ und „Words“. Die Monkees verkauften 1967 mehr Singles als die Beatles, die mit ihrem Album „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ die gut vermarktete Hintergrundmusik zu dem „Summer of Love“, dem Hippie-Jahr 1967, lieferten. Bei unverbindlichen Mitsumm-Songs wie „When I´m Sixty-Four“, „Lucy In The Sky With Diamonds“ und „With A Little Help From My Friends“ steckten sich auch Verwaltungsangestellte und Bankmanager nach Feierabend eine Rose ins Haar und tänzelten auf ihren ordentlich gemähten Gartenrasenflächen umher.
Nicht ganz so gesellschaftstauglich war das Musikangebot der Band Jefferson Airplane, deren 1967er Hit „White Rabbit“ eine psychedelische Version von Alice im Wunderland war und zusammen mit „Somebody To Love“ zu einer Hymne der Kiffer-Generation wurde. Die wegen Drogenmissbrauchs ins Visier von Polizei und Gerichtbarkeit geratenen Rolling Stones festigten ihren Ruf als Bad Boys mit dem in den USA auf moralische Entrüstung stoßenden Titel ihres Erfolgssongs „Let’s Spend The Night Together“.
Ausgesprochene Peace-Menschen identifizierten sich beim Monterey Pop Festival (16.-18. Juni), das als Höhepunkt des „Summer of Love“ in die Geschichte einging, mit Scott McKenzies Hippie-Hit „San Fransisco“. Auf sie wirkte es mehr als befremdlich, dass Jimi Hendrix beim selben Festival auf der Bühne seine Gitarre anzündete. Seine mit brachialen Tonkaskaden ins Publikum geschleuderten Stücke wie „Purple Haze“ oder „Foxy Lady“ waren Ausdruck einer Wut und Sensibilität, mit der sich viele Jugendliche identifizieren konnten.
Ähnliche, oft diffuse, Seelenzustände wurden von den Doors bedient, die 1967 mit dem euphorischen „Light My Fire“ und dem überaus finsteren “The End“ orientierungslose Oberschülern und Studenten noch weiter in die Verzweifelung trieben.
Orientierung brachte „Massachusetts“, der Smash-Hit der hochstimmigen Australo-Band Bee Gees, zwar auch nicht, beruhigte aber immerhin mit seinem herrlich kitschigen Musikgewaber. Genauso einschläfernd waren die deutschen Schlager-Tops des Jahres wie Roy Blacks „Frag nur dein Herz“, Ronnys „Dunja, Du“ oder „Memories of Heidelberg“ von Peggy March. (mb)

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