Musikjahr 1962

Musikalisch war 1962 wie das Vorjahar auch für Elvis Presley ein Erfolgsjahr. Sein Album „Blue Hawaii“ war ganz oben in den Charts und auch mit seinen Singles war „The King“ prominent vertreten. Seine Haupthits 1962, „Good Luck Charm“ und „She´s Not You“, lagen passgenau im Trend des Jahres und der war eindeutig „Schmacht und Schmalz“. Fast alle Top 10 der US-amerikanischen und britischen Charts sowie der traditionell Heile-Welt-Schablonen transportierenden deutschen Hitparaden schienen Indiz dafür zu sein, dass die Musikkonsumenten ein enormes Harmoniebedürfnis befriedigt haben wollten.
In dem Jahr, in dem die Welt nur wenige Seemeilen am atomaren Krieg vorbeigeschrammt war (Kuba-Krise), bestimmten zuhauf fröhliche und adrette Jungmenschen mit wohlerzogenen Balladen von keuscher Liebe und zärtlichem Beisammensein den Mainstream. Dazu gehörten die "Four Seasons", deren Sound von der Falsett-Stimme ihres Leadsängers Frankie Valli bestimmt wurde. Mit „Sherry“ und „Big Girls Don´t Cry“ hatten sie gleich zwei Nr-1-Hits. Auf gleichem Schmalz-Niveau sangen Bobby Vinton („Roses Are Red“), Connie Frances („Don´t Break The Heart That Loves You“), Danny Williams („Moon River“), Neil Sedaka („Breaking Up Is Hard To Do“), die mit ihrem „Wim-oh-wim-oh-wim“-Falsett-Lied „The Lion Sleeps To Night“ einen Ohrwurm erster Ins-Ohr-Geh´-Qualiät abliefernden „Tokens“ sowie Gene Chandler mit „Duke Of Earl“. Cliff Richard säuselte „Young Ones“ und „The Next Time“ und Frank Ifield hielt romantische Rückschau mit „I Remember You“. Selbst der große Ray Charles trug mit „I Can´t Stop Loving You“ zum überreichen Musikschmalz des Jahres bei, in dem deutsche Top-Hits wie Gerhard Wendlands „Tanze mit mir in den Morgen“ oder Minas dramatisches „Heißer Sand“ absolut im internationalen Trend lagen.
Auch hatten wie in den Vorjahren wieder etliche für ausgedehnte Lift-Touren geeignete Gute-Laune-Instrumentals Erfolg. Ganz oben in der gesanglosen Abteilung rangierten die Shadows mit „Wonderful Land“, B. Bumble & The Stingers mit „Nut Rocker“ und Mr. Acker Bilk mit „Stranger On the Shore“. Ein Instrumental, nämlich „The Stripper“ von David Rose & Orchestra, fiel allerdings erheblich auf im üblichen Easy Listening-Angebot des Jahres. Das bereits 1958 aufgenommene Instrumental passte mit seiner aufreizend prallen Melodie offensichtlich genau in die an der Schwelle zur sexuellen Revolution stehende westliche Welt. „The Stripper“ ist rasch zur nahezu unverzichtbaren musikalischen Untermalung in fast jedem im Strip-Milieu spielenden Film geworden.
Rockige oder ansonsten flottere Stücke hatten es 1962 vergleichsweise schwer, waren aber nicht völlig aus den oberen Stockwerken der Hitparaden verschwunden. Elvis Presleys „Return To Sender“ hielt die Fahne des ehrlichen Rocks hoch und der brave Cousin des Rocks, der Twist, war auch noch sehr aktiv. Chubby Checker, der 1960 mit „Let´s Twist Again“ die Twist-Euphorie angeheizt hate, stürmte 1962 mit dem sehr ähnlich klingenden Zuck-Song „The Twist“, mit dem er bereits 1960 Erfolge gehabt hatte, wieder die Charts. Auf der Twist-Welle schwamm auch eine weitere Hit-Gruppe: Joey Dee & The Starliters belegten Anfang 1962 mit ihrem „Peppermint Twist“ sogar für drei Wochen den ersten Platz der US-Charts. Flott ging es auch bei Little Eva zu, die mit „Loco-Motion“ einen Schnelltanz-Hit hatte.
Der skurrilste Hit des Jahrs war das von "Bobby Pickett & The Crypt Kickers" präsentierte „Monster Mash“, das die damals besonders angesagten Gruselfilme veralberte. (mb)

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