Geschichte des Jazz

Louis Armstrong, Charlie „Bird“ Parker, Dizzy Gillespie, später dann Miles Davis, John Coltrane oder Stan Getz, gemischt mit etwas „Little Valentine“ und einem Trompeter, der aus dem Fenster fiel, eine fast weibliche Stimme besaß und Chat Baker hieß, mit diesen großen Namen beweist der Jazz seine tausend Gesichter, hat etliche Interpreten, unterschiedliche Ausdrucksformen und Richtungen. Ob melodisch oder im Aufmarsch eines ganzen Blasorchesters, ob Dixieland oder Swing, ob Groove oder ganz volkstümlich, auf die freie Komposition kommt es an und bleibt letztendlich das, was den Jazz als Musikstil ausmacht. Klassische Instrumente waren dabei immer das Saxophon, die Trompete, das Piano, der Kontrabass und das Schlagzeug. Die Geschichte des Jazz reicht weit zurück, ist fast zweihundert Jahre alt und hat seinen Ursprung in Amerika. Die ersten Tendenzen für die Entstehung des Jazz kamen unter den Sklaven auf. Um sich die schwere Arbeit erträglicher zu machen, begannen die nach Amerika verschleppten Afrikaner Songs zu summen und zu singen. Die Menschen waren sehr gläubig und spirituell, so dass ihre Lieder auch in den Kirchen Einzug hielten. Und in den Nächten klagten sie einander ihr Leid, so dass der Blues-Song das Ventil ihrer Nöte und Leiden wurde. Prägend für den Beginn dieses Jazz waren also die musikalischen und ganz typisch amerikanischen Klänge von Gospel, Blues und Ragtime. Insbesondere in den Südstaaten wurden diese Richtungen sowohl von weißen als auch von schwarzen Einwohnern gespielt, noch eckig und unmelodisch, häufig auch im Aufmarsch großer Marschkapellen. New Orleans gilt als die Geburtsstadt des Jazz. Aber auch in Orten wie Chicago, New York und Memphis fand ein erster Widerhall statt, vorzugsweise in den Armenvierteln mit ihren düsteren und verrauchten Spelunken und Bordellen. Europäische und afrikanische Musikelemente vermischten sich, ungewohnte Rhythmen und neue Improvisationen setzten sich durch. Etwa 1915 traten dann die ersten Jazz-Bands auf und zogen quer durch Amerika. Darunter waren nicht nur amerikanische Bands, sondern beispielsweise auch Musiker aus Kuba. Die Musik war schnell und laut, das Publikum war von der ganz neuartigen Exotik fasziniert. Die Bühne wurde zum Fest der Sinne, machte bald berühmten Erscheinungen wie Josephine Baker oder Ella Fitzgerald Platz. Dixieland und Swing dudelten tagein tagaus durch die Nachtlokale und der berühmteste Interpret des New Orleans Jazz war das Straßenkind Louis Armstrong, das zu einem der begabtesten Trompeter heranwuchs. In den Zwanzigern, als auch der Tanz sich veränderte, entwickelte sich die Jazz-Club-Szene rasend schnell und wurde purer Mainstream. Swing blieb der Renner, Big Bands traten auf, ganze Tanzshows wurden inszeniert und zur Unterhaltung der ausgehungerten Menschen der Nachkriegsjahre aufgeführt. In den Jazzclubs und sogenannten „Flüsterkneipen“ wurden die Nächte zum Tag und der Alkohol floss trotz der Prohibition in Strömen. Vertreter dieser Jazz-Richtung waren Count Basie, Duke Ellington oder Benny Goodman. All das war laut, schnell, oberflächlich, unbeschwert und erreichte, wie vorhersehbar, auch bald die Sättigungsgrenze. Nach den Big-Bands folgten als Gegenreaktion leichtere Rhythmen und melodischere Improvisationen, die unter die Bezeichnung „Bebop“ fallen und eine ganz neue Revolte bildeten, die bis in die fünfziger Jahre anhielt. Die Musik wurde wieder intellektueller und stiller. Die Musiker hatten genug von den ewigen Wiederholungen und Ritualen der Swing-Auftritte. Solo-Interpreten, die sich ganz ihrer Musik und Improvisation hingaben, rebellierten gegen das Bestehende und zeigten musikalische Extravaganzen und einen dynamischen, fast schon nervösen, neuen Stil. Die Improvisationen waren lang und einzigartig, komplex und überraschend. Der Saxophonist Charlie Parker, der bereits mit 35 starb, oder der Trompeter Dizzy Gillespie bewiesen bis zur Erschöpfung, was ihre Instrumente hergaben, setzten die Voraussetzung für jedweden Jazz der Moderne. So verschieden die Klänge heutzutage auch sind, so sehr bleiben sie Interpretation dieser großartigen Vorreiter.