Ivan Rebroff Biografie

Das politisch-kulturelle Verhältnis breiter, zumeist jüngerer Teile der deutschen Bevölkerung zu den USA fand ihren Niederschlag in der Nachkriegszeit auch in der Populärkultur, unter anderem im Zusammenhang mit dem Vordringen US-amerikanisch orientierter Unterhaltungsmusik. Mit ähnlichem Nachdruck, wenn auch ihn geringeren Umfang, wurde von vielen, zumeist nicht mehr jugendlichen BRD-Bürgern der Hang zu dem gepflegt, was landläufig mit dem Begriff „Russische Seele“ verbunden wurde. In einer vorwiegend verkitschten Auswahl russischer Versatzstücke, die wesentlich von alter Ostland-Reiter-Herrlichkeit, Russlandfeldzugserlebnissen, verklärendem Zaren-Glanz und vor-sowjetischer Kosaken-Sentimentalität mitgeprägt wurde, brach sich die Sehnsucht vieler Deutscher nach geheimnisvoller Weite ein wenig ihre Bahn. Die Nachfrage nach schmelzenden Russen-Liedern bedienten unter anderem diverse Kosaken-Chöre und die deutsch-litauische Sängerin Alexandra („Die weißen Nächte von Leningrad“, „Das Lied der Taiga“).
Zum insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren in deutschen Fernsehstuben nahezu allgegenwärtigen „Singe“-Russen avancierte der am 31. Juli 1931 in Berlin geborene Zwei-Meter-Mann Hans Rudolf Rippert, der durch seine imposante Leibesfülle, dem Vollbart und den leicht geschlitzten Augen optisch prädestiniert war als Projektionsfläche deutscher Vorstellungen vom Erscheinungsbild eines typischen Russen. Da störte es auch kaum, dass die Sprechstimme des auf vierundeinhalb Oktaven von Bass bis Falsett treffsicher singenden Sängers überraschend hoch und beinahe feminin klang.
Hans Rudolf Rippert, der unter dem von ihm seit 1953 verwendeten Künstlernamen „Ivan Rebroff“ berühmt wurde, war der zweite Sohn von Luise und Paul Rippert, einem Ingenieur.
Nach nicht gesicherten Aussagen von Rebroff sollen seine Eltern russische Vorfahren gehabt haben. Die Großmutter väterlicherseits war Jüdin. Rebroffs älterer Bruder Horst (1922-2013) brachte es als Sportreporter beim ZDF ebenfalls zu Popularität. Horst Rippert soll im Zweiten Weltkrieg als Jagdpilot den französischen Schriftsteller Saint- Exupéry („Der kleine Pinz“) im Luftkampf abgeschossen haben.
Hans Rudolf Rippert wuchs in der brandenburgischen Kleinstadt Belzig und im sachsen-anhaltischen Halle auf. In Halle besuchte er von 1945 bis zum Abitur 1950 die Oberrealschule der Franckeschen Stiftungen. 1952 zog er nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Süddeutschland. Bis 1959 studierte er an der Hamburger Musikhochschule bei Professor Detel Gesang und spezialisierte sich auf osteuropäisches Gesangsgut. Bereits während des Studiums war er Ensemble-Mitglied des „Schwarzmeer-Kosaken-Chors“ und des „Ural-Kosaken-Chors“. 1960 wurde er durch seine Erstplatzierung bei einem Münchner Musikwettbewerb erstmals als Solo-Sänger bekannt. Es folgten bis 1969 mäßig erfolgreiche Engagements als Opern-Sänger in Gelsenkirchen und Frankfurt/Main. 1966 veröffentlichte Rebroff seine erste LP mit russischen Liedern. Ein erster kleiner Hit wurde die Auskoppelung „Die Legende von den zwölf Räubern“.
Der Durchbruch zum Star gelang Rebroff durch die Rolle des jüdisch-russischen Milchmanns Tevje im in Paris inszenierten Musical „Anatevka“. Von 1969 bis 1972 sang er 500 Mal vor ausverkauftem Haus im berühmten Pariser „Olympia“ den „Wenn ich einmal reich wär´!“-Ohrwurm. Von da an war Rebroff auf die Rolle des singenden Russen festgelegt und hatte mit dem sorgsam gepflegten Image des Pelzmützen-Barden Dauererfolg. Daneben trat er aber auch immer wieder in Unterhaltungsspielfilmen und auf der Opernbühne als Nicht-Russe auf und inszenierte auch selbst Opernstücke.
Bis ins hohe Alter fand der überaus arbeitsame Junggeselle, der auf der Ägäis-Insel Skopelos seinen Hauptwohnsitz begründet hatte und die griechische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, sein Publikum auf Tourneen. Neben einer Platin-Schallplatte (10 Millionen verkaufte LPs seit 1975) ersang er sich 49 „Goldene Schallplatten“.
Am 27. Februar 2008 ist Rebroff in Frankfurt/Main an Herzversagen gestorben.