Geschichte des Heavy Metal

Die Musikrichtung „Heavy Metal“ musste sich einige Vorwürfe vorangegangener Generationen gefallen lassen. Sie sei laut, verdummend, unmelodisch und ein Ventil für Aggressionen, wobei letzteres an sich nicht das Schlechteste wäre. Ganz so ist es aber dann doch nicht, auch wenn das Interesse an dieser Stilrichtung in den späten Neunzigern wieder abflaute und nur die eingefleischten Fans zurückbehielt.
Ganz im Gegenteil konnte sich „Heavy Metal“ über viele Jahrzehnte bis in die heutige Zeit behaupten und hatte zahlreiche Anhänger. Es war nicht nur lautstarker Protest gegen die Norm, sondern entwickelte sich zu einer ganz eigenständigen Lebensart, die sich in Überzeugungen, Kleidung und Frisuren äußerte.
Der Klang beim „Metal“ wurde dabei in erster Linie durch einen Verstärker verzerrt, Gitarre, Bass und Schlagzeug waren die Hauptinstrumente, Riffs und Solos, temporeiches Spiel und das sogenannte „Sweep-Picking“ waren ausschlaggebende Merkmale dieser Musik. Die Kleidung der Musiker und Fans wies oftmals düstere Farben auf und bestand größtenteils aus Leder.
Das war nicht immer so. Begonnen hatte alles mit zerfetzten Jeans, langen Haaren, dunklen Brillen und Batik-Shirts. Erlaubt war im Grunde alles, was sich von der Norm unterschied, häufig gemischt mit mythischen und keltischen Symbolen, später dann auch durch satanische Motive untermalt, die provokant wirken sollten.
Geprägt wurde die Musikrichtung in den frühen Sechzigern in England. Bands wie „Led Zeppelin“, „The Who“, „Black Sabbath“ oder “Deep Purple” ließen sich durch Rock, Blues und andere psychodelische Klangwirkungen inspirieren und kreierten daraus einen wesentlich schnelleren Rhythmus, der unter der Bezeichnung „Hardrock“ bekannt wurde. Das war die Zeit der Drogen und neuen Experimente. Der Mensch wollte sich aus den biederen Verhältnissen befreien, unerwünschte Kriege hatten Protestbewegungen entfacht, Menschen dazu verleitet, ein neues Verständnis für das Leben, die gesellschaftlichen und politischen Umstände zu entwickeln. Natürlich musste sich dieser Zeitgeist auch in der Musik äußern.
Schon beim „Psychedelic Rock“ wurde mit neuen und abweichenden Klängen experimentiert. Daneben entwickelten sich Richtungen wie „Acid“ oder „Punk“, aus deren Sound wiederum das „Metal“ eine eigene Sparte bildete, die ihrerseits in verschiedene Stile zersplitterte, darunter „Trash“, „Death“ oder „Doom“.
„Heavy Metal“ war grundsätzlich ein musikalisch umgesetzter Protest gegen die Gesellschaft in Form von Rebellion und Aggression. Am Anfang noch relativ sanft und melodisch, mit Songs wie „Born to be wild“ von „Steppenwolf“, gewann die Musikrichtung bald ihr ganz eigenes maskenhaftes Abbild. Schon in den Siebzigern wurde diese Maske dann auch von diversen Musikern offen getragen. Typen wie Alice Cooper oder die Gruppe „Kiss“ schworen auf die bemalte Fratze als Ausdruck der Gegenkultur. Der Sound wurde temporeicher, härter und dynamischer, das Publikum bestand aus Insidern und ausgewählten Liebhabern. „Metal“ gehörte keinesfalls dem Mainstream an, in den es in den frühen Achtzigern dann notgedrungen einging und einzelne Erfolge möglich machte, die die Richtung weiter formten.
Dazu gehörten natürlich Bands wie „Metallica“,„Overkill“, „Iron Maiden“ oder „Guns ’n’ Roses“. Die Härte der Musik sollte sich auch im Namen der Gruppe widerspiegeln und mit der allgemeinen Beliebtheit sah man die Bands wiederum zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten greifen, darunter Balladen und melodisch anspruchsvolle Werke, die dann natürlich auch ein breites Publikum erreichten. In vielen Versionen zeigten sich klassische Einflüsse. Nicht selten traten „Metal“-Bands auf einmal mit ganzen Orchestern oder Chören auf.
Auf der anderen Seite entstanden etliche kleinere Bands. Ein Tape war schnell aufgenommen. Wichtig blieben Tempo und Lautstärke. Die Stimmlage des Frontsängers variierte zwischen tiefem Gesang und Geschrei. Einige Bands machten sich einen Namen durch Provokation, zeigten eine häufig fiktive Satansanbetung, gossen Blut über ihr Publikum oder bissen Tieren die Köpfe ab. Der Ausdruck war vielfältig, gewalttätig und aggressiv. Hinter der musikalischen Kriegserklärung verbargen sich oftmals ganz harmlose und charmante Typen.
Es ging darum, den Protest zu vermitteln, den Aufruhr gegen das Bestehende zu verkörpern. Die einen hatten ihre laute Botschaft, die anderen waren einfach nur laut, um in ihrer Art und Weise an der Strömung Anteil zu haben und ermöglichten wiederum ihren Fans, die eigenen Aggressionen zu bewältigen und herauszulassen.
Mit der Zeit wurden die Gemüter wieder ruhiger und auch resistenter gegen die Provokation. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Musikstile sich erneut veränderten und das gute, alte „Heavy Metal“ zum Artefakt einer Zeitepoche geriet, die dessen ungeachtet jedoch nicht an Bedeutung verliert.