Dieter Nuhr Biografie

Dem deutschen Kabarettisten Dieter Nuhr ist es seit den 1990er Jahren gelungen, sich durch einen eigenwilligen, durch betonte Sprachgenauigkeit geprägten Satire-Stil eine große Fangemeinde zu schaffen. Spätestens mit der Verleihung des „Deutschen Kleinkunstpreises“ im Jahr 1998 konnte sich Nuhr auf Dauer einen Sitz im Oberhaus deutscher Polit- und Gesellschafts-Satire sichern.

Dieter Herbert Nuhr kam am 29. Oktober 1960 in der niederrheinischen Mittelstadt Wesel auf die Welt. Beamtenkind Nuhr wuchs mit seinem Bruder so behütet auf, dass er – nach eigener Aussage – erst im Alter von 25 Jahren realisiert hatte, sterblich zu sein. Familie Nuhr zog 1964 von Wesel nach Düsseldorf, wo Dieter Nuhr 1979 sein Abitur am Leibniz-Gymnasium bestand. An der Schule war Nuhr sowohl ein Sport-Crack als auch in der Theater AG. Nach dem Zivildienst begann er 1981 ein Lehramts-Studium (Kunstpädagogik, Geschichte) an der Essener Gesamt-Hochschule, das er 1988 mit dem Ersten Staatsexamen abschloss. Nach seiner ersten Lehrstunde am Vestischen Gymnasium (Bottrop) beschloss er, seine Lehrerkarriere nicht weiter zu verfolgen.
Da hatte Nuhr allerdings bereits seine eigentliche Berufung, Kabarett und Comedy, gefunden. Mit Frank Küster, später Gag-Schreiber für die Harald-Schmidt-Show, hatte Lehrer-Student Nuhr 1986 ein Kabarett-Duo („V.E.V. K.Barett“) gegründet, das 1989 den „Kleinkunstpreis der Düsseldorfer Volksbühne“ gewann. Nach dem letzten gemeinsamen Programm („Zipfeltreffen“) 1992 begann Nuhr mit Solo-Programmen wie „Nuhr am Nörgeln“ , „Nuhr nach vorn“ oder „Ich bin´s nuhr“ auf der Bühne Beifall zu suchen und reichlich zu finden.
Zahlreiche TV-Auftritte (u. a. im „Quatsch Comedy Club“ und in „7 Tage, 7 Köpfe“) machten ihn bald auch beim Fernseh-Publikum bekannt. Nuhr gelang im Fernsehen auch der Sprung ins Quizmaster- und ins Moderatoren-Fach. So moderierte er unter anderem in der ARD-Reihe „Satire Gipfel“ (2011 – 2014) und übernahm 2014 die Moderation in der Reihe „Nuhr im Ersten“, um dort Fachkollegen vorzustellen. Zusammen mit dem sich in der Präsentation deutlich von dem ziselierten Florett-Witz Nuhrscher Ausformung unterscheidenden Holzhammer-Comedian Mario Barth begann Nuhr 2014 regelmäßig bei „Barth deckt auf!“ Fällen von Steuerverschendung nachzugehen.
Nuhr hat auch als ernstzunehmender Fotokünstler überzeugen können. So konnte Nuhr 2010 mit einer Sammlung überraschend düsterer Lebensgefühl-Fotos, die er bei Reisen auf fünf Kontinenten aufgenommen hatte, im Museum der Stadt Ratingen auf sich aufmerksam machen.
Der in Ratingen lebende, verheiratete Familienvater und Fan von Fortuna Düsseldorf Nuhr durfte seine Fußball-Begeisterung 2010 berufsmäßig ausleben und für RTL eine vielbeachtete Satire-TV-Doku zur WM machen. Nuhr wurde für seine Arbeit mit renommierten Fachpreisen wie dem „Deutschen Kleinkunstpreis, Kabarett“ (1998), den „Deutschen Comedy-Preis“ (2003) und den Sprachkulturpreis „Jacob-Grimm-Preis“ (2014) ausgezeichnet.
Über den Witz-Bereich hinaus hatte Nuhr, der es als einer von wenigen TV-Prominenten wagt, sich dem Islam satirisch zu nähern, 2014 Schlagzeilen gemacht, weil ihn ein Muslim als „Hassprediger“ bezeichnet und den Kabarettisten im Zusammenhang mit einer Äußerung zu Stellung der Frau im Islam wegen Religions-Beschimpfung (§ 166 StGB) angezeigt hatte. Das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Osnabrück mangels fremdenfeindlicher Gesinnung und wegen des klar erkennbaren Satire-Charakters der Nuhr-Äußerung eingestellt. Nuhr betonte, dass er weiter kritisch bestimmte Aspekte des Islams thematisieren werde und es für gefährlich halte, Islam-Kritik rechten Demagogen zu überlassen.(mb)