Musik der 20er Jahre

Die Zwanzigerjahre brachten sowohl der klassischen als auch der populären Musik bahnbrechende Neuerungen, die sich von alten Traditionen lösten und die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussten. 
 In Paris entstand in den zwanziger Jahren der Musikstil des Neoklassizismus, der vor allem von den fünf französischen Komponisten George Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud und Francis Poulencec und der Komponistin Germaine Tailleferre, die zusammen als „Groupe des Six“ bekannt wurden, aufgegriffen wurde. In ihren Werken verarbeiteten sie ihre klare Ablehnungshaltung dem Impressionismus und dem Expressionismus gegenüber zugunsten einer neuen Einfachheit, wie sie die Werke des 18. Jahrhunderts kennzeichnete. Weitere Komponisten, die diesen neuen Stil aufgriffen, waren unter anderem Igor Strawinski, Sergej Prokofjew und Dimitri Schostakowitsch. 
 Parallel dazu entwickelte der österreichische Komponist und musikalische Vordenker Arnold Schönberg die Atonalität weiter und erfand um 1920 die Zwölfton-Musik, auch Dodekaphonie genannt. Als Gegenströmung zu den Harmonien der opulenten Musik eines Richard Wagners oder Richard Strauss’ konzipierte Schönberg eine Musikgattung, deren Ordnungsprinzip darauf beruht, alle zwölf Töne gleich zu betonen und damit die Dominanz einzelner Töne über die anderen auszuschließen. Mit Schönbergs neuem Konzept wich die alte hierarchische Ordnung einer Gleichberechtigung aller zwölf Töne, die in einem neuen System aneinander gereiht wurden. Das erste Werk, das Schönberg in diesem Stil komponierte, war die „Klaviersuite op. 25“ aus dem Jahr 1923. Es folgten bekannte Werke wie das „Klavierstück op. 33a“ oder „Moses und Aron“, Schönbergs Opernfragment in drei Akten. Die Komponisten der „Neuen Wiener Schule“ griffen diese revolutionäre Musikgattung ihres Lehrers Schönberg auf und entwickelten sie weiter. Unter Schönbergs Schülern setzten sich vor allem die Komponisten Alban Berg, Anton Webern und Herbert Eimert durch, deren Musik großen Einfluss auf die klassischen Musikwerke der fünfziger Jahre nahm.
 Die Entwicklung des Tonfilms brachte in den zwanziger Jahren ein stetig wachsendes Massenkinopublikum mit sich, was dazu führte, dass die in den Filmen gesungenen Melodien rasch große Popularität erlangten. In den Liedern waren neben seichten Inhalten erstmalig auch sexuelle Konnotationen zu hören und Einflüsse der aufkommenden Emanzipation zu erkennen. Interpreten wie Marlene Dietrich, die in jenen Jahren unvergessliche Schlager wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ sang, Richard Tauber, der 1928 „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ herausbrachte oder Erwin Bolt mit seinem Lied „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ aus dem Jahr 1929 waren die großen Musikstars im deutschsprachigen Raum. Weitere Vertreter dieses frühen Schlagergenres waren die 1928 gegründeten „Comedian Harmonists“, der deutsche Sänger Erwin Hartung oder die österreichische Sängerin Liane Haid. 
 Auch in den USA wurde die populäre Musik immer gefragter. In den Tanzcafés wurde zum Charleston und dem sich aus dem Chicago Jazz allmählich entwickelnden Swing und den damit verbundenen Big Bands getanzt. Songs wie „Look for the Silver Lining“ von Jerome Kern aus dem Jahr 1920, „Sweet Georgia Brown“ von Ethel Waters von 1925, Duke Ellingtons „Bye, Bye Blackbird aus 1926, Helen Kanes „I Wanna Be Loved by You“ aus dem Jahr 1928 oder „Puttin’ on the Ritz“ von Fred Astaire aus dem Jahr 1929 zählen heute zu den Klassikern der Musikgeschichte und wurden in den folgenden Jahrzehnten unzählige Male neu interpretiert.